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Infostand

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"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt!" (Forrest Gump)

"Man darf nehmen, wenn man braucht,
und soll geben wenn man kann."

(Franz Felsner [1])



Infostand

Auf diesen Seiten habe ich all das Wissen für eine unbeschwerte Wanderschaft zusammengefaßt. Eine gute Vorbereitung ist die Hälfte Ihrer ganz persönlichen, erfolgreichen Pilgerschaft.


Müßte ich all das Geschriebene in einem einzigen Satz zusammenfassen, dann würde dieser Satz lauten:
"Alles was du wissen musst ist, dass es möglich ist."

Warum pilgert man?

Im ersten Buch Mose heißt es: "Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein." (Genesis 12, 1)
Die Motive für eine Pilgerreise waren und sind äußerst vielfältig. Die wenigsten Pilger waren von Gott gesandt, dennoch sind die Menschen zumeist aus religiösen Gründen unterwegs. Sie pilgern für das Seelenheil, aus Dankbarkeit, aufgrund eines Gelübdes oder als Buße.
Interessant zu wissen ist, dass weltliche Gerichte im Spätmittelalter das Pilgern sogar in ihren Strafen­katalog auf­nahmen. Das ging so weit, dass eine "Straf­pilger­reise" nach Santiago vor der Todes­strafe bewahren konnte. Häufiger wurden jedoch wohl­habende Kaufleute zur Gesichts­wahrung auf eine Straf­pilgerschaft gesandt, vorallem wenn sie sich jungen Frauen gegenüber unzüchtig ver­halten hatten.
Im 15. Jahr­hundert pilgerten Menschen zunehmend auch aus Aben­teuer­lust und weil sie andere Länder und Kulturen kennenlernen wollten. Dieser Aspekt ist bis heute aktuell.

Dabei brachten sogenannte "Berufspilger" die spirituelle Reise im Spätmittel­alter zunehmend in Verruf. Die einen ließen sich von reichen Leuten bezahlen und pilgerten in ihrem Namen eine bestimmte Strecke, mit der sich der Auftrag­geber dann brüsten konnte.
Die anderen nutzten die groß­zügigen Rechte aus, die es jedem Pilger zu dieser Zeit erlaubten, frei von Maut- und Zollabgaben zu reisen, umsonst ver­pflegt und unter­gebracht zu werden. Auch das Bettel­recht in Städten war häufig damit verbunden. Wehe dem, der hierbei in Pilger­kluft ohne Pilger­brief ange­troffen wurde. Drako­nische Strafen erwarteten ihn. In Wien wird ein Gauner heute noch als "Pülcher" bezeichnet.
Während der Reformationszeit nahm das Pilgern stark ab. Martin Luther hatte einen gewissen Anteil daran: Er verglich das religiös motivierte Pilgern im 16. Jahr­hundert mit dem Ablasshandel, bei dem sich Menschen durch den Kauf von soge­nannten Ablass­briefen weniger Zeit im Fege­feuer erhofften. Luther bezeichnete das Pilgern als "Narren­werk" und spottete über den Jakobs­weg nach Santiago de Compostela: "Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt." In Norwegen wurde das Pilgern ab 1537 sogar unter Androhung der Todes­strafe verboten und von den damals herrschenden Prote­stanten als Irrlehre angeprangert. Doch auch die Pilger­bewegung reformierte sich: Die Beweg­gründe des Pilgers wurden nicht länger vom Zwang und festen Regeln geprägt, sondern galten als freiwillig und individuell. Die Strecke musste bei­spiels­weise nicht mehr in einer bestimmten Anzahl von Tagen zurück­gelegt werden. Spätestens seit dieser Veränderung ist das auch der Haupt­unter­schied zwischen einer Pilger­reise und einer Wall­fahrt: Während der Wall­fahrer Dauer, Ziel und Anliegen ganz klar definiert, sind es beim Pilger eher die Begegnungen und Erlebnisse unter­wegs, die den Reiz der Reise ausmachen. Eine Pilger­reise war und ist immer auch ein Aben­teuer. Trotzdem blieb das Pilgern nach dem Boom im Mittel­alter bis weit in das 20. Jahr­hundert hinein eine Beschäftigung, die nur wenige Menschen für sich entdeckten..

Der moderne Pilger

1987 wurde der Jakobsweg vom Europarat zur europäischen Kultur­route erhoben und aus­drück­lich empfohlen. Wieder­ent­deckte Wegenetze, steigendes kulturelles Interesse und der Wunsch nach Ent­schleu­nigung locken inzwischen viele Menschen auf den "Camino". Das Pilgern in Europa wird von vielen Menschen wieder­entdeckt. Auch deutsche Pilger frequentieren vermehrt die Strecken. Zu verdanken ist dieser Auf­schwung auch dem Moderator und Comedian Hape Kerkeling. Mit der Ver­öffent­lichung seines Bestsellers "Ich bin dann mal weg" im Jahr 2006 prägte er nicht nur eine neue Redewendung, sondern ließ auch die deutschen Pilger­zahlen in die Höhe schnel­len. Pilgern ist heute wieder genau das, was Hippo­crates, der berühmte Arzt der Antike, mit dem Zitat "Gehen ist des Menschen beste Medizin" verdeut­licht: eine ganz­heit­liche Be­we­gungs­kur für Leib und Seele. Hatten die meisten Menschen lange Zeit keine andere Fortbewegungs­mittelwahl als die eigenen Füße, ist diese Sehnsucht nach Einfachheit heute wieder ein Luxusgut, das das eigene Leben ordnen soll – oder auch durch­einander bringen. Deshalb ent­decken viele Menschen das Pilgern für sich. Nicht unbedingt religiös motiviert, aber doch auf der Suche: nach sich selbst, nach anderen oder nach Gott. Das Besondere an der modernen Pilger­bewegung: Die Reise zu sich selbst verbindet alle Pilger und ist doch gleichzeitig sehr individuell. Das "Auf-dem-Weg-Sein" ist auch abseits der Pilger­bewegung zum Lebens­motto geworden und so spiegelt sich die latei­nische Wort­bedeutung von "Pilger", nämlich Gast/­Fremder ("pergere"), im Lebensstil einer ganzen Gesellschaft wider: Der Weg ist das Ziel.

Der Pilgerpass

Der Pilgerpass oder -ausweis, auf spanisch "credencial", ist für die Über­nachtung in den Pilger­her­bergen obli­ga­torisch. Die Pilger können diesen entweder schon von zu Hause mitbringen oder unter­wegs an vielen Stellen entlang des Jakobs­wegs gegen eine geringe Gebühr erhalten. Über die Fränkische St. Jakobus-Gesell­schaft Würzburg e.V. oder das Pilger­zentrum Nürn­berg kann man ihn einfach online beziehen. Die Zahlung in Höhe von 7,65 € (Stand: 3/2023) erfolgt per Vorkasse mittels PayPal oder VR-Pay (Last­schrift, Giropay, Kreditkarte). Wenige Tage später liegt er im Brief­kasten.
Der Pilgerausweis wird manchmal noch Pilgerbrief genannt. In alter Zeit gab es keinen Ausweis, sondern den Pilger­brief bzw. das Geleit­schreiben. Beide sicherten neben der Über­nachtung in Pilger­her­bergen auch die Be­freiung von Weg- und Zoll­zahlungen auf den Geleit­wegen. Sie waren damit bares Geld wert. Auch sicherten sie in den Städten die Möglichkeit zum Betteln.
Erst nach der Reformation, die zeitlich um 1525 anzusetzen ist, kann von einem allgemeinen Pass­zwang gesprochen werden.

Stempel für den Pilgerpass gab es damals noch nicht. Der Pilger­stempel ist eine Erfindung der Neuzeit, wohl auch, um den Weg zu doku­mentieren. Zu finden sind diese tags­über in den Kirchen oder Pfarrbüros (falls geöffnet), den Touris­mus-Centern, aber auch in Gaststätten und Hotels. Klassisch erhält man ihn in der Pilgerherberge. Nachfragen lohnt sich!
Die Motive dieser Stempel sind meist ganz besonders und einzig­artig gestaltet, sodass sie auch eine schöne Dokum­entation des zurück­gelegten Weges sind. Neben den Stempeln wird im Pilgeraus­weis auch das Datum der Ankunft eingetragen. Um in Santiago de Compostela die Pilgerurkunde, die Compostela, zu erhalten, braucht man jeden Tag mindestens einen Stempel; ab den letzten 100 Kilometern zu Fuß sind täglich sogar zwei dieser kleinen Kunst­werke vorge­schrieben. Was für eine schöne Art der Nachweisbarkeit.


Anreise mit der Bahn über Paris

Ein Beispiel: Anreise von Wien nach Saint-Jean-Pied-de-Port
– Nachtzug von Wien nach Paris (Liege- oder Schlafwagen, sehr bequem!)
– dann TGV von Paris nach Biaritz/Bayonne (sehr komfortabel)
– von dort aus fährt ein Lokalzug nach Saint-Jean-Pied-de-Port
– Nächtigung in einem Refugio ...
– ... und schon geht´s am nächsten Morgen los über die Pyrenäen.



Die Via Podiensis beginnt in Le Puy-en-Velay. Ausgangs­punkt ist die Kathedrale Notre-Dame. 951 soll Bischof Gode­schalk als einer der ersten verbürgten Jakobs­pilger von hier aus aufbebrochen sein. Podium oder Le Puy bedeutet auf deutsch "Berg­kuppe". Der Weg führt von Le Puy-en-Velay in der Auvergne nach Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyre­näen und deckt sich weit­gehend mit dem Fern­wander­weg GR 65 (frz. sentier de grande randonnée). Nur an dieser Route wurden ins­gesamt sieben his­torisch belegte Teil­ab­schnitte identi­fiziert und unter Denk­mal­schutz gestellt.
Es sind dies die Abschnitte:
- Nasbinals und Saint-Chély-d’Aubrac (17 km)
- Saint-Côme-d’Olt und Estaing (17 km)
- Montredon und Figeac (18 km)
- Faycelles und Cajarc (22,5 km)
- Bach und Cahors (26 km)
- Lectoure und Condom (35 km)
- Aroue und Ostabat (22 km)


Kilometer- und Höhenan­gaben in Wander­führern

Manchmal möchte ich mit einem soge­nannten Dis­tanz­messrad losziehen, um auch nur annähernd die richtige Ent­fernung zwischen zwei Ort angeben zu können. Drei Reiseführer, drei unterschiedliche Entfernungsangaben. Wären es nur kleine Rundungs­differenzen könnte man darüber hin­weg­sehen, aber über längere Distanzen sprechen wir hier von Weg­unter­schieden von mehreren Kilometern. Ähnlich verhält es sich bei den Höhen­angaben. Ich denke insgesamt liegen alle Angaben in einem akzep­tablen Bereich, können aber auch nur als Anhalt dienen. Immer wieder werden Strecken­führungen aus den unter­schied­lichsten Gründen auch dauer­haft verlegt (Bebauung, Straßen­führung, Land­schafts­schutz­gebiet usw.) bzw. sind Umleitungen, z.B. wegen Bau­arbeiten, in Kauf zu nehmen. Noch zwei­mal kurz verlaufen und schon ist das Tages­ziel drei oder fünf Kilometer weiter.
Denken Sie also bei all Ihren Vorhaben immer an Kräfte­reserven (Reserven allgemein). Planen Sie auch großzügig Ruhe­pausen oder Ruhe­tage ein. Wer Kultur­städte wie Bayreuth, Coburg, Bamberg, Forchheim, Nürnberg, Ulm, Eichstätt, Rothenburg, oder, oder, oder - ohne "Rast- und Erkundungstag" durchläuft, der ist nach meinem Verständnis auf der Flucht, aber nicht auf Pilger­schaft. Dies gilt um so mehr in Frankreich und Spanien!


Wetter und Jehowa ...

Schönes Wetter zum Wandern und zum Pilgern. Über Wochen hinweg? Vielleicht! Aber eher un­wahr­schein­lich. Ein Regentag - im Wochen­durch­schnitt normal. Eine Regenwoche mit zwei Gewitter­tagen - ein spannendes Erlebnis. Ein Test für die Ausrüstung, die Flexibilität der Planung und die eigene Willens­kraft. Wenn Sie noch niemals im Schlamm vielleicht an einem Martel knieend, bei peitsch­enden Regen und brüllendem Gewitter, Worte gesprochen haben wie: „Oh Herr, laß diesen Kelch an mir vor­über­gehen, doch nicht mein Wille ...” , dann haben Sie noch keine echte Outdoor-Eichung. Glauben Sie mir, dieser Tag kommt. Wer im dunklen Wald oder auf finsterem, offenem Feld im Angesicht der Natur­gewalten noch nicht ehr­fürchtiger gebetet hat, als in einer Kathedrale, der hat auf dem Jakobs­weg wahr­scheinlich auch noch nicht geweint. Beides sind Ereignisse, die jedem Pilger in unter­schiedlicher emotionaler Form bevorstehen. Ich finde das deutsche Wort "durchleben" dafür so treffend. Es unter­scheidet die Schwatz­haften von den Erfahrenen.


Empfehlung: Achten Sie insbesondere in der Schweiz auf den Wetter­bericht und nehmen Sie Wetter­warnungen ernst!





Quellen:
[1] Franz Felsner in: Jakobsweg Via Campaniensis; von Rocroi nach Vézelay, Conrad Stein Verlag, 2021, Seite 10.
Die Straß zu Sankt Jakob, Thorbecke 2004, Klaus Herbers und Robert Plötz.
Libellus Sancti Jakobi, Klaus Herbers, Auszüge, Narr Francke Attempto Verlag, 2. Aufl., Tübingen 2018.
Jakobswege durch Deutschland und die Schweiz, Stürtz, Martin Schulte-Kellinghaus, Annette Mahro, Würzburg 2010.
Unterwegs auf den schönsten Pilgerrouten Europas, Kunth Verlag, München, 2023.
Jakobswege in Deutschland, Regine Heue, Bruckmann Verlag, München, 2022.
Auf dem Jakobsweg - Unterwegs im Zeichen der Muschel, Verlaghaus Würzburg, 2015.
Jakobsweg, Pilgern auf Camino Francés und Camino Aragones, Kunth Verlag, München, 2015.
Knauers Kulturführer Deutschland, Droemersche Verlagsanstalt, 1976.
Unsere bayerische Heimat, Ein Reisebegleiter, Verlag Alfred Beron, München, 1974/75.
Deutschland, Sonderausgabe für Tandem Verlag, Potsdam, 2016.
dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim, 1989.
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Internetquellen, u.a. www.wikipedia.de.








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Credential

Jakobswege

Quelle: Wikipedia „Ways of St. James in Europe” von Manfred Zentgraf, Volkach, Germany


Thought of the day

„The world is a book, and those who don't travel only read one page.”


Pilgerlied

Ziehet hin! spricht zu den Seelen,
Der dem Adam Odem gab.
Geht, ihr Kinder, in die Höhlen,
Die ich euch gebauet habʼ.
Wandert hin! Kommt wieder her!
Sucht durch Elend Sternenehrʼ!

Unser Gasthaus ist die Erde,
Sie ist unsre Heimat nicht.
Unser Wallen voll Beschwerde
Nach dem Himmel ist ge­richtʼ.
Für uns ist kein Blei­ben hier,
Jene Wohnstatt suchen wir.

Uns schützt wider Sonnʼ und Regen
Gottes Hand, der Pilgerhut,
Und der Stab auf unsern Wegen
Ist sein Wort, so Hülfe thut.
Der macht unsern Tritt gewiss
In dem Thal der Finster­nis.

Sorgen, Sünden, die uns drü­cken,
Unsre Wander­bündel sind,
Bis das Reise­ziel den Rücken
Von der schweren Last ent­bindʼ.
Wann sich endet unser Lauf,
Schlafen wir dann sanft darauf.

Sigmund von Birken: Pilgerlied (1652)


The restless pilgrim


Ultreia, Ultreia, et Suseia, Deus adiuva nos!

Weiter, weiter, auf geht’s, Gott helfe uns!

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